Die Geschichte der Wonnarchen Massurgos

(Die Klammern mit den Jahreszahlen beziehen sich auf die jeweiligen Regierungszeiten. Die Abkürzung n.d.G.K. steht für „nach dem Großen Krieg“).

Kingsize I (ca. 300 – 350 n.d.G.K.) begründete ca. 300 Jahre nach Ende des Großen Krieges die Wonnarchie als Regierungsform. Er formulierte die sechs Gebote des Wonnedaseins, eherne Säulen auf denen noch heute die Gesellschaftsordnung der Wonnewusel ruht:
 
   Du sollst jeden Tag ausschlafen!
   Du sollst nur arbeiten, wie du lustig bist!
   Du sollst lecker und ausgiebig speisen!
   Du sollst mancherlei Getränken zusprechen!
   Du sollst Dich mit Artgenossen amüsieren!
   Du sollst Dich nicht wie doof vermehren!

 

Kingsize I lehnte jede Art von Religion strikt ab. Als der zwielichtige Fanatiker Topul den Götzenglauben der Alten wieder neu beleben wollte, schickte ihn der weise Wonnarch zur Prüfung seines Glaubens just während der Paarungszeit der Groompfe in den dunklen Nordwald. Topul glaubte felsenfest, der "Große Erbauer", würde seinen treuen Diener vor allem Ungemach beschützen und stimmte begeistert zu. Bedauerlicher Weise blieb der fehlgeleitete Tropf bis heute verschollen. Unter der Regentschaft Kingsize I wurde nicht geernteter Musch als Wohnraum populär. Der Wonnarch regierte bis zu seinem jähen Tod bei einem Gelage im Jahre 350 n.d.G.K.
 
Kingsize II (350 – 405 n.d.G.K)
Unter seiner Regentschaft wurde im Jahre 379 Yorold Tar geboren, der erste Forscher, der sich ernsthaft mit den rätselhaften Chronohupfen beschäftigte und damit die Wissenschaft der Chronologie begründete. Der Regent selbst war ein ausgesprochener Feinschmecker; seine Begeisterung für Kletterfischrogen machte die bis dahin als Abfallprodukt angesehenen Fischeier gesellschaftsfähig. Ihm ist auch die Erfindung der noch heute so beliebten Nabelbünde zu verdanken. Die Massurgische Textilproduktion erlebte unter ihm einen wonnigen Aufschwung. Im Frühjahr 405 rutschte Kingsize II bei einer nächtlichen Wanderung auf einem Röddelbrödöngfladen aus und brach sich das Genick. In jener Nacht trug er einen dunkelblauen Nabelbund mit über dem Nabel eingesticktem Wappen. Zu seinem Gedenken ist das Tragen dunkelblauer Nabelbünde seitdem ausschließlich den Wonnarchen und den Karawanenführern vorbehalten.
 
Kingsize III ( 405- 427 n.d.G.K)
regierte Massurgo leider nur sehr kurz. Die Wonnewusel kennen und verehren ihn als den Erfinder des bis heute angewandten Verfahrens zur Kelterung von Musch. Der findige Wonnarch experimentierte über Jahre hinweg mit vergorenem Muschsaft, bis er im Jahre 420 einen äußerst edlen Tropfen aus einem seiner hölzernen Fässchen zapfen konnte. Leider sprach er dem Endprodukt seines Strebens, dem süßen, schweren Muschwein, über die Maßen zu. Seine Lebensgeister verließen ihn bei einem Gelage mit erhobenem Glas mitten in einem Trinkspruch. Die Legende besagt, er habe noch im Fallen sein Glas ausgetrunken. Im zweiten Regierungsjahr Kingsizes III trat übrigens Yorold Tar seine erste und so verhängnisvolle Zeitreise an.

Kingsize IV (427-499 n.d.G.K)

gründete das legendäre Wonnebad in der Lagune von Hedonia. Hier verbringen seit dem Jahre 452 einzelne Wusel oder ganze Karawanen lustvolle Urlaube auf Kosten des Hofes als Belohnung für besondere Leistungen zum Wohle der Wuselheit. Der großartige Wonnarch widmete einen Großteil seiner Regierungszeit dem Bemühen, die in Hedonia angebotenen Genüsse zu verfeinern und verlegte im Jahr 490 sogar seinen Regierungssitz dorthin. Die Umstände seines Todes liegen im Dunkeln. Gerüchte besagen, er sei beim gemeinschaftlichen Bad mit einigen neckischen Wuseldis in einem der natürlichen Warmwasserpools ertrunken.

Kingsize V (499- 567 n.d.G.K)

Nach einer langen Dürreperiode und einigen Missernten in den Jahren 512-531 zogen immer mehr Sesshafte allein in die Wälder, in der Hoffnung, dort etwas Essbares zu finden. Viele der ausgemergelten Wusel landeten dabei in den Rachen ebenfalls sehr hungriger Groompfe. Als Reaktion darauf verbot Kingsize V den Sesshaften per Dekret das Durchstreifen der Wälder, sorgte aber gleichzeitig für eine flächendeckende Versorgung durch Karawanen, indem er die Muschterungen einführte, und jeden Jungwusel, der dabei nicht an sich halten konnte und seinen Musch verspeiste, für mindestens ein Jahr zum Dienst in einer der Karawanen verpflichtete. Die Anzahl der Cateringwusel und der Karawanen stieg dadurch sprunghaft an und die Ernährungssituation aller Wonnewusel verbesserte sich deutlich. Als er im Alter von 157 Jahren starb, trauerte ein ganzer Planet um einen weisen Regenten. Bis heute dürfen Sesshafte die Wälder nur in Ausnahmefällen und nur in Begleitung einer Karawane durchqueren.

Kingsize VI ( 567 – 633 n.d.G.K)

Noch im Jahre seines Amtsantritts revolutionierte dieser ausgebuffte Tüftler das Kommunikationswesen Massurgos. Unter seiner Regentschaft wurden die ersten wilden Waggabongs als Jungtiere in den Wäldern gefangen und zu  Nachrichtenwaggabongs ausgebildet. In den folgenden Jahren entstand ein völlig neuer Wirtschaftszweig. Überall auf dem Planeten wurden Waggabongzuchten gegründet. In der Folge entstanden die ersten Blähbohnenplantagen. Den Karawanen war es nun möglich, über große Entfernungen hinweg untereinander und mit ihren Kunden zu kommunizieren.
Der fortschrittliche Wonnarch, allerdings nur ein mittelmäßiger Koch, verstarb tragisch. Ein wild gefangener Waggabong startete just in dem Moment, als Kingsize VI in die Mündung seiner Startröhre schaute, um ihn heraus zu locken.

Kingsize VII (633 – 687 n.d.G.K)

auch als Kingsize Der Standhafte bekannt, entdeckte 679 n.d.G.K bei einer Expedition in unerforschte Gefilde einen imposanten mehrkuppigen Riesenmusch. Er schaffte es, eine ganze Karawane gierig sabbernder Wonnewusel und sich selbst davon abzuhalten, dieses Wunder der Natur zu verspeisen. Noch heute wird bei Muschterungen oft aus seiner flammenden Rede zitiert, die er damals vor seinen Kameraden hielt. Er vollbrachte das Wunder, den Musch mit den charakterstärksten unter seinen Mitstreitern so lange zu sichern bis er ausgewachsen war und damit ungenießbar wurde und in voller Größe aushärtete. Als „Märchenkönig“ widmete er sich voll und ganz dem Ausbau und der Inneneinrichtung des kolossalen Muschs. Das prachtvolle Gewächs sollte den Wonnarchen von Massurgo fortan als Palast dienen. Des Königs große Gabe war ein zeitloses Gefühl für Stil, weshalb die Inneneinrichtung des Palastes bis heute nahezu unverändert blieb.
Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, den Riesenmusch zu beziehen. Er verstarb im Alter von nur 123 Jahren ganz plötzlich, als er bei einem Ausritt einen hervorragend getarnten Groompfbullen übersah.

Kingsize VIII (687-742 n.d.G.K)

war der Spross einer alten Röddelbrödöngzüchter-Dynastie. Vielen Wonnewuseln ist heute nicht mehr bewusst, dass der Verzehr von Röddelbrödöngfleisch erst seit seiner Regierungszeit verpönt ist. Obwohl Kingsize VIII ein überaus prächtiger und fast nagelneuer Palast zur Verfügung stand, verbrachte er die meiste Zeit in den Stallungen und schlief oft nächtelang bei seinen Lieblingen im Stroh. Die Stammväter jener rassigen Jagdröddelbrödöngs, die sich heute bei Hof so großer Beliebtheit erfreuen, stammen aus seiner Zucht. Durch seine Experimente mit Röddelbrödöngmilch ermutigt, gründete er kurz vor seinem Tod die erste Käserei Massurgos. Er ertrank mit nur 99 Jahren in einem Milchbottich.

Kingsize IX (742-773 n.d.G.K)

mit Kingsize IX kam ein Intellektueller an die Macht. Der Wonnarch zog sich mit Freude in seine Schreibstube zurück und verfasste die erste umfassende Geschichte Massurgos seit Ende des Großen Krieges. Sie gilt noch heute als Standardwerk an den gehobenen Unterweisungsinstituten Massurgos. Seine Schriften über die Welt der Alten blieben allerdings unvollendet. Trotz akribischer Forschungen scheiterte er letztendlich an dem Versuch, zu ergründen, warum der Große Krieg ausgebrochen war. Kingsize IX initiierte auch die ersten Ausgrabungen rund um den Palast und verließ im Jahr 770 seine Gemächer um sich fortan in der gesunden Luft des Planeten ganz der Feldforschung zu widmen. Er starb, als er just bei der Ausgrabung eines frühzeitlichen Bunkers mit dem Spaten genau den Zünder einer uralten Bombe traf.

Kingsize X (773-830 n.d.G.K.)

ein beleibter und gleichermaßen beliebter Wonnarch, ein begnadeter Koch und ein Genießer durch und durch, gründete im Jahre 800 den Markt von Sorfsen da Segress auf einer großen Waldlichtung, wo ohnehin mehrere große Karawanenstraßen aufeinander trafen. Was als kleiner Karawanentreffpunkt mit sauberen Quellen und einigen bescheidenen Baumhäusern begann, entwickelte sich in kürzester Zeit zum wichtigsten Umschlagplatz des Planeten für Informationen und für Waren aller Art. Noch heute gilt Sorfsen da Segress als "Bauch von Massurgo". Die Gründe für das Ableben des unvergessenen Wonnarchen im besten Alter von 83 Jahren liegen im Dunkeln. Gerüchte besagen, er wäre an einer Elvomorengräte erstickt, andere behaupten, er sei in der Armen einer besonders heißblütigen Wuseldi dahingegangen, weil sein Herz schwächer war als seine Leidenschaft. Wie auch immer. Ein Gedenkstein in Form eines Schneebesens im Zentrum des Marktes erinnert noch heute an den leider so früh verstorbenen Wonnarchen.

Kingsize XI (830-840 n.d.G.K.)

Seine Untertanen gaben ihm den Beinamen „Der Hektiker“. Als einziger Wonnarch in der Geschichte Massurgos, der jemals abgewählt wurde, erlangte er traurige Breühmtheit. Im Grunde war Kingsize XI ein guter Kerl, er konnte nur das Arbeiten nicht lassen. Ohne Unterlass versuchte er Arbeitsabläufe zu rationalisieren, sei es durch meist sinnfreie technische Hilfsmittel oder durch organisatorische Veränderungen. Er zeichnete wo er ging und stand merkwürdige Blasengebilde, die er „Organigramme“ nannte, rief seine Minister sogar während des Mittagsschlafs zu Sitzungen zusammen und plante die Einführung eines allgemein gültigen Zahlungsmittels sowie festgelegter Tagesarbeitszeiten. Seine mangelnde Trinkfestigkeit wurde ihm bei der legendären Königswahl im Jahre 840 nach nur einer Amtsperiode zum Verhängnis. Sein Herausforderer triumphierte und die Minister konnten sich fortan wieder ihrem Mittagsschlaf widmen.

Kingsize XII (840-888 n.d.G.K.)

war ein Reformer der besonderen Art. Nach der Abwahl seines unglücklichen Vorgängers sorgte er wieder für Ruhe und Entspannung. Er führte eine Menge neuer Feiertage ein, schaffte die sogenannten „Kernarbeitszeiten“ aus der Zeit seines Vorgängers umgehend ab und verhalf damit den weisen Geboten Kingsize I – er sei gepriesen – endlich wieder zu der ihnen gebührenden Geltung. Mutige junge Sternenforscher betraten während seiner Regierungszeit zum ersten Mal nach dem Großen Krieg wieder das Alte Observatorium, wo sie mit Erlaubnis des Wonnarchen, unter der Bedingung, täglich gewissenhaft auszuschlafen, wieder eine astronomische Beobachtungsstation gründeten. Ebenfalls in seine Regierungszeit fiel der Ausbruch des Vulkans Monte Timovo nördlich von Sorfsen da Segress, an der Grenze zur großen Sandebene, dem die alten Sandtraubenreben an den fruchtbaren südlichen Hängen des Vulkans zum Opfer fielen. Des Königs Ableben im Sommer des Jahre 888 verlief so freidlich, wie sein gesamtes Leben. Kingsize XII erwachte eines schönen Tages nicht mehr aus seinem geliebten Mittagsschlaf, den er in seiner Hängematte in den königlichen Gärten zu halten pflegte.


Kingsize XIII (888–951 n.d.G.K)

war ein sehniger Kerl. Ein altgedienter Groompfspäher und Karawanenführer. Er wagte es in der Geschichte der Wuselei als Erster, ein Groompfgelege zu plündern. Was er anschließend in seiner Küche aus diesen Zutaten zauberte ist legendär. Groompfeier zählen bis heute zu den exquisitesten und kostbarsten Leckereien des Planeten. Im Tausch gegen ein Dutzend Groompfeier kann eine Karawane oft schon einen kleinen Nachrichtenwaggabong erwerben. Doch Kingsize XIII war nicht nur ein Feinschmecker, er dachte langfristig und verabschiedete ein Gesetz, wonach ein Groompfgelege nie mehr als zu 70% geplündert werden darf, um den Fortbestand der Spezies und damit den Nachschub an Groompfeiern zu sichern. Wissenschaftler vermuten, dass es wenige Rassen in den Weiten des Kosmos gibt, die clever genug sind, so nachhaltig zu wirtschaften. Leider wurde er mit zunehmendem Alter ziemlich dement. Er hielt sich zuletzt selbst für einen Groompf und verschwand eines Tages für immer in den Wäldern.


Kingsize XIV (951 -? n.d.G.K)

Der gegenwärtige Wonnarch ist ein vierschrötiger, volksnaher Meisterkoch. Er gilt als Erfinder der Brandteigleckereien, dessen Wahlspruch „L´Eclair c`est Moi“ eigentlich alles aussagt. Auf Drängen einiger am Hofe wirkender Wissenschaftler, erlaubte er die Fortführung der Ausgrabungen, die nach dem Tode Kingsize IX so jäh zum Stillstand gekommen waren. Im neunten Jahr seiner Regierungszeit wurde in dem alten Bunker unter dem Palast das schicksalhafte „Artefakt“ entdeckt. 

Kingsize XIV wird der Nachwelt nicht nur wegen seiner himmlischen Eclairs und Soufflès sondern auch wegen der Gründung der königlichen Luftflotte in ehrenvoller Erinnerung bleiben.